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Aktuelle Ausgabe

Dezember Nr. 6 2017

Titelblatt Akzent Magazin Dezember Nr. 6 2017 Letzte Reisen - Abschied im Wandel

Inhalt

Schwerpunkt

  • Die vielen Facetten der letzten Ruhestätten
  • «Die Privatisierung des Todes halte ich für problematisch»
  • Abschied mit und ohne Kirche
  • Lebensende im Pflegeheim
  • Wenn die Asche Richtung Holland treibt...
  • Urnenkunst: Eine Idee aus Basel
  • Tierfriedhof Läufelfingen: Raum für Rituale

Feuilleton

  • Dood und Begräbtnis im Alte Basel
  • Friedrich Glauser: «Matto regiert»
  • Kultur-Tipps
     

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

«Bist du sicher, dass dieses Thema – grad in der Zeit vor Weihnachten – von den Lesern auch goutiert wird», fragte mich kürzlich eine Kollegin sehr skeptisch, als ich ihr vom Schwerpunkt dieses Akzent Magazins erzählte. Bestattungskultur im Wandel: Tatsächlich gibt es Themen, die weniger emotional sind, sich mehr für den Small Talk eignen und nicht so ans Läbige rühren wie unser Verhältnis zum (eigenen) Tod und zum endgültigen Abschied von unseren Liebsten.

Mehrere private Erlebnisse gaben den Ausschlag für die Themenwahl. Dazu gehörte die würdige Verabschiedung einer an Krebs gestorbenen Nachbarin in ihrem Lieblingsrestaurant im St. Johann-Quartier. Später folgte die Abdankung für einen Freund in der Sulzchopfhütte bei Muttenz: Die Trauergemeinde lauschte seinen Lieblingsliedern, erinnerte sich an seine schwierigen und lustigen Seiten wie auch an seine Macken und sass schliesslich samt seinem geliebten Hund draussen bei schönstem Wetter auf den Festbänken zusammen. Ein Lychemähli mitten im prallen Leben ...

Einige Monate später kam die Nachricht ganz profan per E-Mail, fast nicht sichtbar zwischen all den Newslettern und Dringend-Dringend-Dringend-Nachrichten: Eine gute Freundin, mit der ich jeden Sommer ein paar Tage im Schwarzwald verbrachte, war eine Woche zuvor gestorben. Ihre Asche war gemäss der kargen Nachricht ihrer Schwester schon irgendwo an einem Waldrand bei Hinwil verstreut worden – so, wie Susan es sich anscheinend gewünscht hatte. Zurück blieben ein schales Gefühl und eine brennende Kerze auf dem Küchentisch, um der Trauer wenigstens einen fassbaren Ort zu geben.

Bei all diesen Abschieden gab es keinen Pfarrer, kein Grab und keinen Friedhof mehr, wo die Toten in meiner Jugend beerdigt wurden. Dieser Wandel einer uralten Kultur und ihrer Rituale ist schnell gegangen. Das Warum hat mich interessiert und auch die Redaktion des Akzent Magazins. Und so haben wir uns auf die Suche nach den letzten Reisen von heute gemacht. Roger Thiriet war auf dem Friedhof Hörnli, Andreas Schuler hat sich mit Pfarrer Benedict Schubert über die Privatisierung des Todes unterhalten, und Manuela Zeller hat in Basler und Baselbieter Altersheimen wie auch auf dem Tierfriedhof Läufelfingen nachgefragt. Ich bin den Bestattungen auf dem Rhytaxi oder in einer poppigen Urne auf dem Bücherbrett nachgegangen, und Beat Trachsler hat sich in die Bestattungskultur des alten Basel vertieft.

Wir hoffen, dass wir Ihnen trotz des schwierigen Themas eine interessante Lektüre bieten  können. Kommen Sie mit auf diese letzten Reisen – denn irgendwann brechen wir alle auf!

Christine Valentin